Gedanken zur Jahreslosung - Januar 2012

Da könnt ich schwach werden!

Schwach sein, das will doch niemand. Stark sein ist die Devise, kompetent und selbstbewusst. Alles im Griff haben, ist doch klar! Wer schwach ist, hat etwas falsch gemacht. Der hat nicht genügend auf sich geachtet, hat nicht gelernt, sich durchzusetzen. Auf jeden Fall hat er selbst schuld an seiner Schwäche. Schwäche, das ist doch ein Charakterproblem.

Diese Lebenshaltung haben sogar viele Christen übernommen, obwohl sie zu einem Gott beten, der seinen größten Sieg errang, als er bewegungsunfähig an einen Balken fixiert wurde, und sterbend und von allen verlassen ein Bild der Schwäche bot. Jesus besiegte den Tod, die Sünde und das ewige Gericht, weil er nicht seine göttliche Stärke ausspielte, sondern sich selbst hingab. Göttliche Stärke hätte keinen errettet, göttliche Schwäche konnte für alle den Weg zum Heil eröffnen. Steckt dahinter vielleicht ein göttliches Prinzip? Tatsächlich: Gott will eine prahlerische, selbstverliebte und machtfixierte Welt nicht mit noch mehr Dominanz über-trumpfen, sondern sie mit Demut und Güte gewinnen. Göttliche Schwäche ist die größte Kraft des Universums.

Deshalb werden Christen dann so richtig fruchtbar und wirksam, können sie dann wirklich leuchten und entzünden, wenn sie es zulassen, schwach zu werden.

Wenn sie ihre eigenen Qualitäten zurückstellen und Gott machen lassen. Gott verwirft die Dominanz der Starken und baut sein Reich durch die Demut der Schwachen.

So sagt die Jahreslosung für das Jahr 2012:

Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
(2. Korinther 12,9.)

Für Paulus war das ein Grund, seine Schwachheit nicht zu beklagen, sondern sich darüber zu freuen. So war er bereit, Gottes Wunder zu erleben. Wie steht’s mit uns? Da könnten wir doch selbst mal schwach werden, oder?

Ein gutes und gesegnetes Jahr 2012 wünscht allen
Christoph Müller