Gedanken zum Monat Juni 2012

Gottes Gnade

Auf einer internationalen Konferenz für Evangelisten trat ein afrikanischer Delegierter ans Mikrophon. Zum Erstaunen der Zuhörer attackierte er den Leiter der Konferenz, den berühmten Evangelisten Billy Graham, mit bitteren Worten. „Wo wären Sie heute, wenn Sie nicht ein weißer Amerikaner, sondern ein schwarzer Afrikaner wären?“

 

Als er Platz genommen hatte, ging Billy Graham in der atemlosen Stille an das Pult. „Was ich bin, bin ich durch die Gnade Gottes“, sagte er, und setzte sich wieder. Diese Antwort stillte die Aufregung der Teilnehmer, auch wenn man einwenden könnte, dass ein gebildeter, reicher und weltweit prominenter US-Amerikaner immer leichter von der Gnade Gottes sprechen kann, als ein Christ des armen Südens, der vielleicht täglich um sein Überleben kämpft. Und dennoch: das, was wir sind, verdanken wir der Gnade Gottes. Reich oder arm, Überflieger oder kleines Licht, jemand, der das große Rad dreht, oder jemand, der kleine Brötchen backt, total unbekannt oder in aller Munde: was wir sind, sind wir durch die Gnade Gottes. Und wenn wir Gottes Kinder sind, Jünger Jesu, Brüder und Schwestern des Gottessohnes, Botschafter des ewigen Evangeliums – wer will da noch wissen, wie viel Zimmer unsere Wohnung hat, welche Zahl unsere Gehaltsabrechnung aufweist und ob wir 5 oder 2 Mahlzeiten pro Tag erhalten. Es bleibt uns eh nichts anderes als Danke zu sagen. Danke der Gnade Gottes.

Wobei eins klar ist: der reiche, gebildete und unabhängige Christ, z.B. aus Deutschland, wird vor dem Thron Gottes ungleich strenger beurteilt, wie er die Möglichkeiten, die ihm die Gnade Gottes einräumte, einsetzte, als der arme Reisbauer in China, der abends vor Müdigkeit kaum noch ein Gebet zustande bekommt. Die Gnade beschenkt uns unverdient, und fordert uns heraus, sie zur Ehre Gottes und zum Wohl der Menschen einzusetzen. Genau dieser Linie folgt Paulus mit der Monatslosung Juni: "Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin," 1. Korinther 15, 10 – und er fährt fort: „und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen“.

Christoph Müller, pastoraler Mitarbeiter

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