Gedanken zum Monat Oktober 2012

 Die Krise als Chance

Krise ist das Schlagwort dieser Zeit: Nahost- Krise, Eurokrise, Midlife- Krise…
Verzweifelt versucht man Lösungen zu finden, Rettungsschirme aufzuspannen, Kriseninterventionen einzuleiten. Dieses Wort verursacht bei vielen, auch bei uns, Angst und Schrecken. Vielleicht auch Hoffnungslosigkeit.

 

Doch, wenn wir es genau betrachten. Eine Krise ist noch nicht das Ende. Krisen bergen Chancen.

Das Wort Krise stammt von dem griechischen Wort krisis ab und bedeutete ursprünglich: Meinung, Beurteilung, Entscheidung. Oder wie es das Wörterbuch erklärt: eine problematische, mit einem Wendepunkt verknüpfte Entscheidungssituation.

In so einer Krise steckte auch das Volk Israel. Sie waren in der Gefangenschaft in Babylon. Sie steckten in einer ausweglosen Situation. Ihr Land war besiegt, der Tempel zerstört, die Heimat dahin. Umgeben von fremden Göttern, fremden Gewohnheiten, fremder Sprache. Umgeben von den Siegern- in jeder Situation wird deutlich: Wir sind die Verlierer. Wir sind Heimatlose.

Wie viel Verzweiflung, wie viel Angst und Hoffnungslosigkeit die Menschen damals bestimmte, können wir in den Klageliedern des Jeremia lesen.

Und dann strahlt plötzlich Hoffnung auf. Die Perspektive ändert sich. Jeremia rafft sich auf und richtet seinen Blick auf Gott. Gott, unser Herr, er ist bei uns. Er hat uns nicht verlassen.
Klagelieder 3, 21-26

"Doch das will ich mir zu Herzen nehmen, / darauf darf ich hoffen: Die Güte Jahwes ist nicht zu Ende, / sein Erbarmen hört nicht auf. An jedem Morgen ist es neu. / Deine Treue ist groß! Ich sage: "Alles, was ich habe, ist Jahwe!" / Darum hoffe ich nur auf ihn. Gut ist Jahwe zu denen, die auf ihn hoffen, / und zu dem, der seine Nähe sucht. Gut ist es, schweigend / auf die Hilfe Jahwes zu hoffen."

Mitten in der Hoffnungslosigkeit besinnt sich Jeremia. Er glaubt und setzt seine Zuversicht auf Gottes Güte und Treue; auf sein Erbarmen. Unser Herr, der Schöpfer des Himmels und der Erde, ist der, der alles in seinen Händen hält. Wir sind nicht der Situation ausgeliefert. Wir sind nicht Spielbälle des Schicksals. Wir sind Gottes berufenes Volk, wir sind seine Kinder.

In jeder Krise birgt sich eine Chance. Die Krise zwingt uns, unsere Lage zu beurteilen und zu einer Entscheidung zu gelangen. 

Vertraue ich auf eigene Lösungen oder erinnere ich mich daran, dass mein Leben in Gottes Hand steht? Schaue ich auf mich und meine Situation oder schaue ich auf Gott und seine Treue?

Ich glaube, dass unser Herr unser Leben in der Hand hält. Er kennt unsere Situation, er kennt unsere Nöte. Er ist gut zu denen, die auf ihn hoffen. Ich glaube, dass uns Jesus durch Schwierigkeiten daran erinnern möchte, dass wir ihn brauchen. Ohne ihn können wir nichts tun!

In jeder Krise birgt sich eine Chance. Wir können den Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes erleben. Gottes Güte hat kein Ende, sein Erbarmen hört niemals auf.

In jeder Krise birgt sich eine Chance- ich wünsche mir und euch, dass wir sie ergreifen.

Käthe Müller, Pastoralreferentin

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