Gedanken zum Monat Januar 2013

„Wir sind wie Fremdlinge in unserem Land“ sagte mir einmal ein Mann aus Kongo (DR), einem Land in Zentralafrika. Als jemand der schon in der Gegend war, hatte ich ihn gefragt was er denn denke warum ein Land, das so fruchtbares Klima und guten Boden hat, doch so bitterarm ist.

Seine Antwort war: „Wir können nicht sesshaft sein, weil wir ständig rumgetrieben sind. Wenn du nicht weißt ob du morgen noch da bist wo du jetzt lebst, wirst du auch keinen Acker bestellen. Wir sind wie Fremdlinge…“.

Diese Erklärung fand ich einleuchtend und ernüchternd zugleich. Wie fühlt sich denn ein Leben an, in dem die Heimat nie stabil ist? Obwohl diese Situation sehr traurig ist musste ich unweigerlich daran denken, was über den Stammvater Israels –Jakob- im Hebräerbrief geschrieben steht. Dort heißt es, er sei sein Fremdling auf Erden gewesen (Heb 11,9).

Dieser Status war jedoch nicht aus der Not heraus geboren, er war freiwillig und aus einer tiefen Überzeugung heraus. „Denn er wartete auf eine Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist“ (Heb 11,10).

Jakob ist mit dieser Erkenntnis seiner Zeit voraus gewesen. Nur die wenigsten hatten diese Perspektive bevor Jesus auf die Welt kam und bestätigte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“.

Alles materielle was wir sehen ist menschlich uns somit vergänglich. Gott baut ein Reich und es ist „nicht mit Händen gemacht, nicht von Menschen erdacht“ (aus „Keine bleibende Stadt“ von Lothar Kosse).

Die Jahreslosung 2013 erinnert uns daran. Hebr. 13,14:

"Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir."

Was für den Mann aus Kongo ein wunderbares Trostwort ist, –seine Heimat wartet auf ihn- ist für uns eher eine Herausforderung.

Wir sind eine sesshafte Kultur in Mitteleuropa, keine Nomaden, keine von Katastrophen geprägte Region. Wir fühlen uns hier sicher und legen Wert auf Stabilität. Daher ist uns diese geistliche Perspektive im täglichen Bewusstsein fremd geworden.

Wir sollen in der materiellen Welt keine tiefen Wurzeln schlagen. Denn wir wohnen noch nicht im Land der Verheißung. Eine Heimat, die für immer bleibt, wartet noch auf uns und in dieser bleibenden Stadt dürfen wir uns schon jetzt verwurzeln.

Jonas Vetter, pastoraler Mitarbeiter

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