Gedanken zum Monat April 2013

Gegen Etikettenschwindel

„Was drauf steht, muss auch drin sein“. Das ist ein Anspruch, auf den viele Konsumenten in Deutschland seit einigen Wochen wohl ganz besonders viel Wert legen. Der „Etikettenschwindel“ ist bisher eines der Unwörter des Jahres 2013, denn eine Mogelpackung will niemand haben. 

Wenn ein Etikett nicht mehr zuverlässig ist, worauf kann man sich dann noch verlassen? 

Aber auch im sonstigen Leben zeigt sich, dass „Etiketten“ recht zuverlässig auf Inhalte hinweisen. Wenn mir auf der Straße ein Mann mit buntgefärbten Irokesenhaarschnitt, Lederjacke, aufgerissener enger Jeans und Springerstiefeln begegnet, kann ich zumindest ziemlich sicher sagen, das vor mir kein CDU/ CSU-Wähler steht. Andersrum hätte ich innerlich direkt sämtliche Schubladen geöffnet, in die ich diese Person reinstecken könnte (was meistens dann auch wirklich zutrifft). 

So ist es immer im Leben. Ein eindeutiger Inhalt zeigt sich auch nach außen und schreit förmlich nach einem „Etikett“, einer Einordnung... 

Es war ungefähr im Jahre 50 nach Christus, dass einer Gruppe von Menschen, die sich selbst Nachfolger nannten, auch ein solches Etikett verpasst wurde. An diesem einen Ort in Antiochia wurden die Nachfolger zuerst "Christen“ genannt (Apostelgeschichte 11,26). 

Ich hätte diese Pionierchristen gerne erlebt um zu sehen, wie leicht ich auf dieses Urteil gekommen wäre: „Ganz sicher ist Christus drin, ziemlich offensichtlich zeigt sich das nach außen, also muss auch Christus (Christ) drauf stehen“! Auch wenn wir sie nicht mehr sehen können: die ersten Christen bleiben für immer unser Vorbild, denn sie waren mit ihrem Leben anscheinend durch und durch glaubwürdig. 

Denn mindestens genau so sehr wie es ein Skandal ist, im Supermarkt etwas zu kaufen, was nicht auf der Verpackung gekennzeichnet ist, ist es nicht hinzunehmen, wenn die Welt zwar das Etikett „Christ“ an uns sieht, aber der Inhalt dem völlig widerspricht oder nur sehr wenig entspricht... 

Daher schreibt Paulus an die Kolosser: Wie ihr nun den Herrn Christus Jesus angenommen habt, so lebt auch in ihm und seid in ihm verwurzelt und gegründet und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und seid reichlich dankbar. (Kolosser 2,6.7)

Wer Jesus angenommen hat, darf auch dementsprechend leben. Jesus will immer tiefere Wurzeln in uns schlagen (was für ein schönes Bild) und wir sollen somit fest in ihm werden und ein dankbares Leben führen. Allein das macht uns sicher, dass wir vor Gott und der Welt als glaubwürdige Packung durchgehen. 

Jonas Vetter, pastoraler Mitarbeiter