Gedanken zum Monat März 2014

Einfach Liebe

Wie oft am Tag soll ich beten? Was darf ich essen und was nicht? Darf ich Alkohol trinken? Welche Feiertage soll ich beachten? Wann und wie oft soll ich fasten? Wie viel soll ich spenden? Was genau muss ich sagen oder tun, um wirklich fromm zu sein?

All das sind Fragen, die ein religiöser Mensch hat. Und jede Religion kann darauf antworten. Ein Hindu weiß, was ein Hindu zu tun hat. Ein Moslem weiß, was von einem Moslem erwartet wird. Ein Jude kennt die 613 Gebote seines Glaubens. Ein Buddhist hat zwar keinen Gott, aber dafür umso mehr Regeln. Also, irgendwie scheint jeder Bescheid zu wissen. Und ich als Christ? Wer sagt mir, was meine religiösen Pflichten sind?

Na , Jesus natürlich. Also schauen wir in die Evangelien und finden – NICHTS! Nichts, keine Regel, keine Ordnung, nichts! Vielleicht das Vaterunser, denkt einer. Ja, das Vaterunser ist prima, aber nirgendwo als religiöse Pflicht bezeichnet. Das Abendmahl? Auch keine Regel. Jesus wollte uns wohl eher sagen, sooft ihr zusammen Wein trinkt und euer Brot teilt, erinnert euch an mich. Leider hatte er keinen Tipp für Leute, die sich von Kaffee und Croissants ernähren. Die Taufe? Ergibt auch keine Regel für das ganze Leben.

Nein, als Religionsgründer war Jesus ein Reinfall. Das darf man so sagen, denn er hatte nie vor, eine Religion zu gründen. Er wollte einfach Menschen sammeln, die nur ihn im Kopf haben. Deren Ziel es ist, ihm ähnlich zu werden. Denn genau das ist es, was uns fehlt, um wahre Menschen zu sein. Und weil das nun mal für jeden Menschen ein bisschen anders aussieht, deshalb gibt es keine Regeln.

Aber eine Regel hat er doch, wenn man es Regel nennen will, die eine alles entscheidende Regel: Liebt euch, wie ich euch geliebt habe! Denn wenn wir lieben, sind wir ihm am ähnlichsten. Und weiter, mit dem Monatsvers für den März: "Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, dass ihr Liebe untereinander habt." (Johannes 13,35)

Markenzeichen Liebe, das war Jesu größter Wunsch. Mehr nicht!

Und jetzt wollen wir einmal kurz durchatmen und uns überlegen, wie viel Kathedralen, Bischofslimousinen, Doktortitel, Werbestrategien und Lobpreiskonferenzen man sich hätte sparen können, wenn man auf diese einzige Regel gehört hätte: Einfach Liebe!!

Aber es ist ja nie zu spät, mit etwas Gutem zu beginnen.

Christoph Müller