Gedanken im Mai 2014

Ich sitze auf dem Schlossplatz, genieße ein Eis und betrachte die Passanten. Viele interessante Menschen gehen vorbei. Manche eilig, manche schlendern dahin. Menschen zu beobachten ist wirklich spannend. Dabei entdecke ich, wie ich, meist unbewusst, die Menschen in Schubladen stecke: Die sind aber reich. Der fühlt sich ja super sportlich. Das, was die Frau anhat, ist schon lange nicht mehr modern. Wie süß, ein verliebtes Pärchen!

Wir haben Kategorien, die uns wichtig sind. Kategorien, die in unserer Gesellschaft etwas gelten. So beurteilen wir schnell, oft vorschnell, was für ein Mensch uns in der S- Bahn gegenübersitzt, oder als Passant vorübergeht. Jung oder alt, arm oder reich, gelehrt oder ungebildet, Schwabe oder Ausländer, zickig oder nett, geliebt oder einsam, Moslem, Christ oder vielleicht Atheist?

Diese Unterteilungen gab es schon immer. Schon immer galten bestimmte Eigenschaften als richtig und gut, andere wurden verurteilt. Besonders schrecklich waren die Auswirkungen, wenn nach Herkunft, Geschlecht, Religion oder Hautfarbe geurteilt und verurteilt wurde. Gerade in der Geschichte der Christenheit ist durch Diskriminierung viel Unrecht passiert. Wie konnte das geschehen? Haben wir Christen vergessen, dass wir in Jesus alle gleich sind.
Der Monatsvers erinnert uns daran. In Jesus gibt es keine Verurteilung, keine Trennung, keine Diskriminierung mehr:

Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. Galater 3,28

Die Unterschiede hat Jesus nicht aufgehoben. Er hat keine soziale Revolution angestoßen, er hat noch nicht einmal interreligiöse Podiumsdiskussionen angeregt. Er hat sich auch nicht für die Gleichberechtigung der Frau eingesetzt. Jesus hat die Unterschiede so gelassen, wie sie sind, aber er ist jedem Menschen in Liebe begegnet. Er hat mit den Frauen gesprochen, in einer Zeit, in der Frauen nichts galten. Er hat sich mit Ausländern unterhalten. Er hat einem Sklaven die gleiche Achtung entgegengebracht wie einem römischen Hauptmann.

Jesus hat nicht verurteilt – niemals.
Jesus hat niemanden verurteilt – keinen einzigen.
Er verurteilt auch dich nicht. 

Egal, ob Mann oder Frau, Schwabe oder Reingeschmeckter, Firmenchef oder Arbeitsloser. Er lädt dich ein, denn er möchte mit dir Gemeinschaft haben. 

Käthe Müller, Pastoralreferentin

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