Gedanken zum Monat August 2014

Mehr als Fans

Wenn Männer zum Fußball gehen, geschehen oft erstaunliche Veränderungen. Manche können plötzlich stundenlang singen, selbst wenn sie bei anderen Gelegenheiten nur brummen. Andere laufen mit bunten Schals herum, selbst wenn sie im Alltag selten Farbe zeigen. Viele strömen gemeinsam mit Zehntausenden in die Stadien, selbst wenn ihnen auf Familienfeiern immer zu viele Menschen da sind. Männer eilen in die Fanshops, um für den Sohn ein Trikot und für die Tochter ein Käppi zu kaufen, selbst wenn sie sonst um jedes Bekleidungsgeschäft einen großen Bogen machen. Was ist geschehen? Leidenschaft hat sie erfasst, Leidenschaft für den Fußball.

Ich wünsche mir ein ähnliches Wunder in unseren Gemeinden. Mehr aktive Begeisterung und weniger stummes Zuhören. Mehr buntes Glaubensbekenntnis und weniger staubgraue Frömmigkeit. Mehr Liebe zur Gemeinschaft und weniger frommes Einzelgängertum. Da muss es doch auch einmal laut und fröhlich werden!

Diesen Wunsch hatte der König David, als er die Bundeslade Gottes nach Jerusalem in ein heiliges Zelt brachte und so die Keimzelle des späteren Tempels schuf. Und das erste Lied, das er selbst verfasste und den Sängern zu singen auftrug, hatte neben vielen begeisternden Aufforderungen die Zeile:

"Singet dem HERRN, alle Lande, verkündiget täglich sein Heil!" (1. Chronik 16,23).

Wir haben doch Grund genug, unseren Gott zu preisen, immer, jeden Tag und überall. Wir sind natürlich nicht seine Fans, wir sind viel mehr: wir sind seine Kinder, seine Freunde und seine Schüler, rund um die Uhr, an jeden Tag und in jedem Land der Erde. Das dürfen wir feiern, laut und fröhlich und triumphierend, so dass es jeder hören kann. Also, wir brauchen mehr Freude in den Liedern, mehr Mut in den Predigten, mehr Feuer in den Gebeten und ein Lachen auf jedem Gesicht. Dann bräuchten wir vielleicht auch bald Kirchen, groß wie Stadien.

Christoph Müller