Gedanken im Februar 2015

Einfach sperrig

Der Monatsvers für den Februar spielt in meinem Leben eine wichtige Rolle. Er steht in Römer 1,16: "Ich schäme mich des Evangeliums nicht: Es ist eine Kraft Gottes, die jeden rettet, der glaubt." Dieser Vers wurde 1974 mein Konfirmationsspruch  - und ging mir damals gehörig auf die Nerven. Ich schämte mich nämlich dafür, zu Jesus zu gehören.  Von mir aus hätte niemand von meinem Glauben erfahren müssen. 

 

 

Paulus schämte sich offenbar nicht. Es brannte ihm unter den Nägeln, seinen Herrn Jesus Christus auch in der Weltstadt Rom zu verkündigen. War es früher weniger peinlich, von Jesus zu sprechen? Ganz im Gegenteil! Niemand war im antiken Rom so verrufen wie ein Gekreuzigter. So einen als Erlöser zu verkündigen? Für die Römer war er ein Abschaum, für die Griechen ein philosophischer Unfug, für die Juden eine Gotteslästerung. Warum verschwieg Paulus den Gekreuzigten nicht?   

Paulus wusste, dass Gott durch diesen Gekreuzigten, und nur durch ihn, jeden Menschen erretten wollte. Paulus hatte an sich und anderen erlebt, wie die Botschaft vom Gekreuzigten Sünder rettete, Sünden vergab und ein neues Leben aus der Kraft Gottes hervorbrachte. Deshalb schämte er sich nicht.

So ging es mir übrigens auch: Als ich erleben durfte, wie Menschen durch die Predigt vom Gekreuzigten gerettet wurden, wurde Römer 1,16 zu einem meiner Lieblingsverse. 

Es scheint so, als würde uns nach 1500 Jahren Christentum in unserem Land der Gekreuzigte wieder peinlich. Dass Gott jeden Menschen liebt, sagen wir gern, aber das ist noch nicht das Evangelium. Wer will schon hören und sagen, dass alle Menschen Sünder sind, alle ewig verloren und nur gerettet werden können, wenn sie an das stellvertretende Opfer des Gottessohnes glauben?  Wer will noch von Gottes Zorn über alle Sünde sprechen? Und wer sagt noch, dass Gottes Liebe zu uns Jesus ans Kreuz brachte? Aber genau das ist das Evangelium, die Gute Nachricht, so sperrig es sich auch anhört. 

Ich fürchte, weil innerhalb und außerhalb der Kirchen und Gemeinden dieses sperrige, unbequeme Evangelium nicht mehr gern gesagt und gehört wird, kommen derzeit in Deutschland so wenig Menschen zum Glauben, und verlassen so viele die Kirchen und Gemeinden.

Möglicherweise schämen wir uns eben doch! Beten wir für unsere neue Hinwendung zum Evangelium, damit die Kraft Gottes unter uns wieder sichtbar werden kann, wenn Menschen zum Glauben kommen.

Christoph Müller

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