Gedanken im April 2015

Ein dramatisches Ereignis. Ein Ereignis, das die Welt aus den Fugen hebt. Nichts ist mehr so, wie es war. Ein Ereignis, das Himmel und Erde verändert. Nein, ich spreche nicht von einem Tsunami.

Ich spreche von einem Liebesbeweis. Von der Liebe Gottes, die sich an einem Ort des Grauens, in einem Sterbenden zeigt. Ein Mensch stirbt qualvoll und allein gelassen. Er war von Menschen umgeben und trotzdem allein. Von seinen Freunden verlassen, von den Anklägern verspottet, von Folterknechten und Henkern fachmännisch zu Tode gequält. 

Mitten in diesem Geschehen stand ein Mann. Ein Mann in verantwortungsvoller Position. Offizier der Besatzungsmacht, beauftragt, Aufstände niederzuschlagen und Aufrührer hinzurichten. Auch dieses Mal ging alles im Ganzen reibungslos. Es hätte auch anders laufen können. Schließlich hatte man einen der drei Delinquenten als religiösen Unruhestifter verurteilt. Aber die Menge hat bereits auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte still gehalten und sich dann allmählich verlaufen. Keine Übergriffe, keine Auseinandersetzungen. Die Ruhe ist hergestellt – vor den anstehenden Feiertagen mit ihrer eigenen religiösen Erregung keine Kleinigkeit.

Er hatte seinen Job gut gemacht. Er konnte zufrieden sein- wie gewohnt.

Trotzdem: es war anders als sonst. Dieser Mann am Kreuz, das war kein Verbrecher. Das war kein religiöser Spinner. Dieser Mensch, der hier so qualvoll starb, sorgte sich um seine Mutter. Dieser Verspottete vergab seinen Anklägern.

„Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen." Mt 27, 54

Das war kein gewöhnlicher Mensch! Das war wirklich der Sohn Gottes!

In demselben Moment, in dem der Vorhang im Tempel zerriss, erkannte ein römischer Offizier, wer Jesus wirklich ist. Nicht die jüdischen Theologen, nicht die Jünger, noch nicht einmal die Familie hatten verstanden, was hier vor sich ging. Sie waren zu sehr mit ihren Gedanken beschäftigt. Die Theologen waren dankbar, dass der Gotteslästerer zum Schweigen gebracht wurde. Die Jünger hatten Angst. Die Familie litt mit dem sterbenden Sohn.

Ausgerechnet ein römischer Hauptmann, ein völlig Außenstehender sprach aus, was er auf einmal mit allen Konsequenzen verstanden hatte: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen.“ Diese Erkenntnis kommt nicht automatisch. Sie ist nicht selbstverständlich.

Am Kreuz von Jesus scheiden sich die Geister. Die einen tappen weiterhin im Dunkeln. Sie bleiben bei ihrem Spott oder ihrer Gleichgültigkeit. Die anderen sind tief erschüttert. Es dämmert ihnen. In ihrem Leben rückt Jesus ins Zentrum.

Wie geht es uns? Wie werden wir Karfreitag und Ostern erleben? 

Gleichgültig?
Die Gedanken ausgerichtet auf schöne und harmonische Freizeitgestaltung. Auf Osterbrunch und Schokoladenhasen?

Oder erschüttert?
Berührt von dieser Liebe Gottes, die sich hingibt, bis zum Tod? Ergriffen von der Liebe Gottes, stärker als der Tod? Bewegt von der Liebe Gottes, die uns ganz persönlich gilt?

Dieser Gottes Sohn hat sein Leben für dich und für mich geopfert. Das ist die Liebe Gottes, die unser Herz erfüllen möchte.

Käthe Müller

Aktuelles aus unserem Verband: