Gedanken im August 2015

Der Ehrliche ist der Dumme.

Das sagt der Volksmund. Das meinen auch viele noch heute. Und, ehrlich gesagt, diesen Eindruck kann man auch immer wieder gewinnen.

Sei nicht zu offen, dann kann dich auch keiner auf deine Meinung festlegen. Gib nicht alle Einnahmen haarklein an, dann kommt in der Lohnsteuerrückerstattung mehr Geld raus. Bekenne erst deine Schuld, wenn sie dir bewiesen werden kann, dann kommst du vielleicht ungeschoren davon
Der Ehrliche ist verletzbar. Der Ehrliche hat Nachteile. Der Ehrliche ist dumm, oder?

 

Jesus sagt dazu in Matthäus 10,16: "Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben."

Seid klug! Denn die Welt, in der ihr lebt, meint es nicht immer gut mit euch.

Diese Klugheit sieht das Leben realistisch. Diese Klugheit schätzt Gefahr richtig ein. Diese Klugheit findet kreative Lösungen in herausfordernden Situationen. Diese Klugheit weiß, dass auch immer wieder Weisheit von oben nötig ist. Diese Klugheit bittet Gott um Hilfe, nicht erst, wenn kein Ausweg mehr zu sehen ist.

Klug wie die Schlange. Im Altertum galt die Schlange als das klügste und zugleich auch als gefährlichstes Tier. Sie ist schnell, nimmt ihre Umwelt durch verschiedene Sinnesorgane, wie Nase, Augen, Haut, und vor allem die gespaltene Zunge, die zeitgleich verschiedene Gerüche aufnehmen und räumlich verarbeiten kann, wahr. Durch diese ausgeprägten Sinneswahrnehmungen ist die Schlange ein guter Jäger, kann jedoch auch Feinden blitzschnell ausweichen.

Seid ohne Falsch wie die Taube. Die Taube steht gemeinhin für Frieden und Liebe.

Im Gegensatz zu den Schlangen galten Tauben aber auch als besonders dumme und harmlose Tiere. Die Einfalt der Tauben ist daran zu erkennen, dass man ihnen immer wieder die frischgelegten Eier wegnehmen kann und sie sich jedes Mal ganz unverdrossen daran machen, ein neues Nest zu bauen und neue Eier zu legen. Weil Tauben so zärtlich gurren, galten sie als besonders sanft.

So fordert uns Jesus also auf, klug und aufmerksam zu sein. Nicht blind und naiv in unsere Aufgaben hineinzustolpern. Wir sollen uns der Gefahren und Herausforderungen unseres Lebens, bewusst sein, und ihnen in Weisheit begegnen. Dabei jedoch keine falschen Kompromisse eingehen. In Frieden und Liebe den Menschen begegnen. Sanftmütig und geduldig, die Dinge ertragen, die nicht zu ändern sind.
Eine Herausforderung, die eine ehrliche Selbsteinschätzung braucht, dass ich das nicht allein schaffen kann und die Klugheit erfordert, Gott um seine Hilfe zu bitten.

Der Volksmund meint: Der Ehrliche ist der Dumme.
Bei Jesus gilt: Der Kluge ist ehrlich! Mit sich und anderen.

Käthe Müller