Gedanken im April 2016

Fröhlicher Zerbruch

Wer bei der Fa. Ritter in Waldenbuch ein Schnäppchen machen will, geht im Werksverkauf sicher an das Regal mit der Bruchschokolade. Vielleicht hat man Glück und findet seine Lieblingssorte, äußerlich nicht mehr vorzeigbar, aber immer noch genauso lecker. Kein Problem bei so guter Schokolade. Ganz anders aber bei Gegenständen des täglichen Lebens: wer würde eine Teekanne mit einem Riss kaufen oder einen Stuhl mit gebrochenem Bein - das wäre ja unglaublich dumm! Nur etwas, das unversehrt ist, ist doch gut!

So denken wir auch über uns selbst. Da sind wir nur zufrieden, wenn alles glatt läuft, wenn wir souverän und unbeschadet aus jeder Situation herauskommen. Und denken: immer schön drauf achten, dass es keine „Brüche in der Biografie“ gibt, solche wie Arbeitslosigkeit, lange Krankheitsphasen oder abgebrochene Ausbildungen. Wie sieht denn das im Lebenslauf aus?!

Interessant ist aber, dass Jesus gerade für die gebrochenen Biografien gekommen ist. Diese Menschen suchte er, und sie verstanden sein Angebot besser, als die, die intakt geblieben waren. Jesus bestätigt das auch: Nicht für die Gesunden, sondern für die Kranken sei er gekommen, sagt er einmal. So ist in der Bibel etwas zu beobachten: die Menschen mit Rissen, Schrammen und Brüchen erhalten schneller Zugang zum lebendigen Gott, als die glatten, unbeschadeten. Im Gegenteil: wenn nicht ein Mensch den Zerbruch erlebt hat, das heißt, das Zerbrechen der eigenen Träume und Fähigkeiten, das Scheitern der eigenen Möglichkeiten und die Kapitulation vor seinem Schöpfer und Erlöser, dessen Wille und Wege für jeden von uns das allerbeste sind, dann gibt es keinen Glauben, keine Gotteskindschaft. Gott liebt sogar die Menschen mit dem Sprung in der Schüssel oder mit der kleinen Macke am meisten. Deshalb, fürchten wir uns doch nicht davor, unser Scheitern vor Jesus anzuerkennen. Gehen wir auf unsere Knie und kehren wir um, dann erleben wir auch diesen Vers aus Psalm 147,3 ganz konkret:

"Gott heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden."

Christoph Müller

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