Bildbetrachtung zur Jahreslosung 2017


Ein gelbes Herz?! Das ist ja mal ganz was Neues! Außergewöhnlich! Absolut nicht „von der Stange“!

Aber das gibt es doch gar nicht! In unserer Welt sind Herzen zumeist Rot: Frisch Verliebte malen sie auf ihre Briefe oder fügen sie ihren elektronischen Nachrichten bei. Sie zieren die verschiedensten Autoaufkleber, mit denen Menschen bekunden, dass sie ein Herz für dies und jenes haben. Rote Herzen stehen für Liebe, Leben, Freude.

In Gottes Augen sieht das Herz freilich noch einmal ganz anders aus. Nicht weil er farbenblind wäre oder alles nur in tristes Schwarz-Weiß einteilt. Aber: Er sieht die Dinge so, wie sie sind. Und unsere Herzen sind eigentlich dunkel schwarz und hart wie ein Stein. Sie sollten lieben – Gott, unsern Schöpfer und die Geschöpfe neben uns! Unsere Herzen sollten fröhlich rot-pulsierend in beide Richtungen schlagen! Und sie tun es doch nicht. Wir hängen vor allem an uns selbst. Die Bibel beklagt sie seit Adam und Eva immer wieder, und wir spüren und erkennen sie durchaus auch selbst – unsere schwarzen, versteinerten Herzen, die unser Verderben und unser Untergang sind.

 

Doch nun: Ein gelbes Herz, das das Bild von Ulrike Wilke-Müller dominiert?! Hat sie nicht anders gekonnt oder gewollt? Hat sie sich die sprichwörtliche „künstlerische Freiheit“ genommen? Nein! Sie musste so malen. Denn sie fasst ja ein Wort, eine Zusage Gottes in Farben. Sie gibt der Jahreslosung ein Gesicht. Sie predigt darüber mit Pinsel und Leinwand. In dem Bibelwort für unseren Weg durch das Jahr 2017 sagt Gott seinen Menschen: Es soll nicht bei Euren dunklen, harten Herzen bleiben. Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun. … Ich will euch von all eurer Unreinheit erlösen. (Hesekiel 36, 26-27+29a – Lutherübersetzung) „Ich will, ich will, ich will etwas ändern!“ – sagt Gott. Die Einheitsübersetzung, der offizielle Text der Jahreslosung 2017, bringt zum Ausdruck, dass Gott es nicht bei Absichtserklärungen belassen hat. Seinen Worten folgten und folgen stets Taten. Er ist der, der Menschenherzen verändert und erneuert – bis heute: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Deshalb also: ein gelbes Herz! Ganz etwas Neues! Absolut außergewöhnlich! Ulrike Wilke-Müllers Jahreslosungsbild stellt es uns vor Augen und lässt uns zugleich Zweierlei entdecken:

Zum einen, wie es zu einem solchen „sonnigen“ Herzen kommt:

– Der Schlüssel dazu ist das Kreuz – das Zeichen Jesu, des Sohnes Gottes, dessen Herz ungeteilt am Willen des himmlischen Vaters und an unserer Rettung hängt. Himmlisch strahlend hell leuchtet sein Kreuz vor allem anderen. Es vertreibt alle dunkle Finsternis, verbindet mit seinem Längsbalken Himmel und Erde und umfängt mit seinem Querbalken die Welt.

– Wo ein Mensch zu Christus findet und unter seinem Kreuz zur Ruhe kommt, da tut dieses „Schlüsselerlebnis“ das Herz dieses Menschen auf. Die Tür am Fuße des Kreuzes macht es deutlich: Durch Jesus werden wir neu offen für Gott und offen für die Menschen und die Schöpfung um uns her. Alles Dunkel unserer Gottferne muss weichen. Neues, lichtes, fröhliches Leben wird möglich.

– Das ist nie ein Programm oder etwas, das wir aus eigener Kraft und Anstrengung erreichen könnten. Das bleibt immer ein „Geschenk des Himmels“: Die Strahlen, die sich von links oben kommend über das Herz und das ganze Licht erstrecken, bringen es zum Ausdruck. Es ist ein Werk des dreieinigen Gottes (viele Dreieckefinden sich im Bild). Es beginnt durch Wasser und Geist in der Taufe und ist getragen und verbürgt durch das Blut Jesu, das er für uns vergossen hat (das immer wieder von Weiß durchzogene Türkis-Blau und Rot im Hintergrund kann uns daran erinnern).

Daher kommt es zu so einzigartigen, von Gott bewegten, erneuerten Herzen.

Wir sehen auf dem Bild zum anderen aber auch, was diese Herzen ausmacht:

– Wo Gott ein Menschenherz verändert, da werden Ketten gesprengt und Horizonte eröffnet (die vielen Querlinien im Bild können uns darauf hinweisen)! Da ist es möglich „Segel zu setzen“ und aufzubrechen zu anderen Ufern (der obere Teil des Bildes lädt zum Träumen ein und die vielen Dreiecke gewinnen eine zweite Bedeutung)!

– Wo ein Mensch zu Jesus findet, da tut dieser Herr und Heiland nicht nur das Herz auf und bleibt draußen vor der Tür, sondern er zieht selbst darin ein! Er macht es „zu seinem Tempel, seinem Haus“ (vergleiche Evangelisches Gesangbuch, Nr. 389). Er wohnt durch seinen Geist darin und macht unsere Herzen fest – woran? An Gottes Wort und Willen! Das gelbe Herz erinnert so, wie es gemalt ist, zugleich an die beiden Gesetzestafelnmit den 10 Geboten, die übereinander und nebeneinander liegen. Geballter Ausdruck für die wahre, vollkommene Liebe zu Gott und dem Nächsten.

– Dieses herrliche „Veränderungs- und Erneuerungswerk“ Gottes ist nun schließlich und endlich nicht auf einen Schlag vollendet, sondern dauert ein Leben lang. Es beginnt unscheinbar und im Kleinen und doch sichtbar. Es ist wie ein Weizenkorn, das in der Mitte des Herzens, im Schnittpunkt der „Tafeln“ auf Ulrike Wilke-Müllers Bild bei intensiver Betrachtung sichtbar wird. Es schlägt vom Kreuz her Wurzeln, wächst und nimmt zu und bringt Frucht – in der Nähe zu Gott, im Bleiben an Jesus, als Werk des Heiligen Geistes. Der wird es auch vollenden, einst vor Gottes Thron, am Jüngsten Tag, wenn Gottes herrliche Ewigkeit beginnt, für alle, in deren Herzen Jesus Christus lebt.

Die Jahreslosung mit dem „gelben Herzen“, sie kann und will uns so nicht nur ein Jahres-, sondern ein Lebensbegleiter werden: Zu viele „schwarze Herzen“ bevölkern noch diese Welt. Legen wir sie im Gebet immer wieder Gott ans Herz, der verspricht und zusagt, sie durch seinen Geist in Christus zu erneuern, dass sie nicht verloren gehen. Fliehen wir auch selbst zu ihm, wo unsere „roten Herzen“ nur schöner Schein und Tagtraum waren und weit hinter der Wirklichkeit zurückbleiben. Suchen wir die Nähe Gottes sonntags wie alltags. Denn ER sagt ja stets aufs Neue zu uns:  Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

(Bildbetrachtung von Pastor Helge Dittmer aus Kiel, Quelle: www.GemeindebriefHelfer.de)