Gedanken im Februar 2017

 Im Auftrag des Herrn unterwegs

Die Jünger haben nun schon viel Zeit mit Jesus verbracht. Sie haben Wunder erlebt und vollmächtige Predigten gehört. Doch vor allem haben sie Jesus erlebt. Tag und Nacht waren sie mit ihm unterwegs. Und nun kommt der Praxistext. Es wartet noch eine ganz besondere Herausforderung auf sie.

Jesus sendet 72 der Jünger, immer zu zweit los. Sie sollen den Menschen die gute Botschaft von dem Königreich Gottes weitersagen. Sie sollen den Menschen zeigen, dieses Reich Gottes hat nun begonnen. Das Reich des Friedens ist angebrochen. Nun ist die Zeit gekommen, Frieden mit Gott, mit sich und den Mitmenschen zu schließen.

Ohne Geld, ohne Essen, ohne Tasche, ja sogar ohne Ersatzschuhe sollen sie losziehen. Sie wissen nicht, wo sie übernachten können. Sie wissen nicht, ob und wie die Menschen sie empfangen werden. Nun wird es deutlich: Haben sie wirklich verstanden, was Jesus von der Versorgung durch den Vater im Himmel gelehrt hat? Haben sie verstanden, dass sie in vollkommener Abhängigkeit von diesem Vater im Himmel leben können? Dieser Vater im Himmel, den Jesus vertrauensvoll „Abba“, Papa, nennt.

Das ist eine echte Herausforderung. Da geht es ans Eingemachte. Kann ich Gott so vertrauen?

Doch diese totale Abhängigkeit von Gott, ist Teil ihrer Botschaft. Sie sollen mit materiell leeren Händen und einem Herzen voller Liebe zu den Menschen kommen. Sie sollen nicht Wissen oder Geschenke bringen, denn das ist es nicht, was die Menschen so dringend brauchen. Den Frieden Gottes sollen in die Häuser hineintragen.

Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus! Lukas 10,5

Friede, Schalom, soll in jedem Hause herrschen. Mit den Menschen, die zu Jesus gehören, soll Schalom in das Haus einziehen. Schalom ist viel mehr, als das, was wir unter Frieden verstehen. Schalom ist der umfassende Friede. Die Abwesenheit von Streit, Hass, Ungerechtigkeit. Die Anwesenheit von Gottes Liebe und Gegenwart. Schalom ist umfassendes Heil. Das ist es, was wir Menschen so dringend brauchen.

Was bedeutet das für uns heute? Sollen wir auch auf alles verzichten? In völliger Abhängigkeit von Gott leben. Keine Vorsorge treffen? Sollen wir von Haus zu Haus ziehen? Sollen wir jedem den Frieden Gottes wünschen?

Ich glaube nicht, dass dieser Auftrag an die Jünger ein Lebenskonzept für jeden Christen ist. Es geht nicht darum, auf jegliche Vorsorge zu verzichten. Es geht nicht darum, auf Essen oder Wechselkleidung zu verzichten.

Es geht darum, den Frieden, den Gott uns anbietet, anzunehmen und an die Menschen weiterzugeben.

Frieden – ein Wort, was immer mehr Bedeutung gewinnt.

In diesen unruhigen Zeiten. Für die vielen Menschen auf der Flucht. Für die von Grausamkeit durchzogenen Kriegsgebiete.

Frieden – ein Zustand, nach dem wir uns von Herzen sehnen.

Frieden, diesen tiefen Frieden bei Gott, den können wir nur mit leeren Händen und offenen Herzen von Gott empfangen.

Ich wünsche uns allen von Herzen den Schalom Gottes!

Käthe Müller, Pastorin